Warum Aktien knapp werden
Im Geldbrief (Nr. 01/2012)
gelesen – http://www.geldbrief.com:
Wie Sie wissen,
steigen Aktienkurse, wenn Leute mit Geld Aktien kaufen und die bisherigen
Aktionäre ihre Stücke nur zu höheren Preisen abzugeben bereit sind. Wo sehen
wir jetzt weitere Käuferschichten für Aktien - und warum wird dies wohl
passieren?
Unternehmen sind
am Aktienmarkt günstig bewertet und gleichzeitig sind die Zinsen niedrig (das
heisst auch: günstige Refinanzierungskosten). Sollte sich die Kreditklemme
ausweiten, könnten sich deshalb viele Unternehmen in der Eurozone nach neuen
Eigenkapitalgebern umsehen. Das tut nach Medienberichten selbst der Autokonzern
Daimler. Angeblich soll der chinesische Staatsfonds CIC (Anlagevermögen: 410
Milliarden Dollar) an einem Anteilskauf (fünf bis zehn Prozent) interessiert
sein. Die Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten ist offensichtlich. Die
Chinesen bekommen günstig Zugang zu moderner Technologie, die Unternehmen
frisches Kapital und die Anleger können sich über steigende Aktienkurse freuen.
Wie real dieses
Szenario eines zunehmenden chinesischen Einflusses in der Welt ist, kann man in
den südeuropäischen Schuldenstaaten schon verfolgen. So bekam beim Verkauf des
21-prozentigen Staatsanteils am portugiesischen Energieversorger EDP ein Bieter
aus China den Zuschlag. Der chinesische Wasserkrafterzeuger Three Gorges schlug
im Bieterwettstreit unter anderem den deutschen Stromversorger E.ON aus dem
Feld und hat nun auch ein Standbein im lukrativen Wachstumsmarkt Brasilien.
Die staatliche
chinesische Ölgesellschaft Sinopec ist außerdem an einem zehnprozentigen Anteil
beim spanischen Ölkonzern Repsol interessiert. Den muss der hochverschuldete
spanische Baukonzern Sacyr Vallehermoso verkaufen, um seinen Schuldenstand zu
senken.
In den USA streckt
das chinesische Suchportal Alibaba seine Fühler nach dem Internetpionier Yahoo
aus.
Die
Investmentpraxis von China ist also letztlich das, was Ihnen Ihr Geldbrief seit
Jahren empfiehlt: investieren diversifiziert in werthaltige globale Anlagen. .
Mit dem
Währungspakt zwischen China und Japan soll auch der Handel sowie Unternehmensbeteiligungen
auf dem asiatischen Kontinent vorangetrieben werden (bilaterale Geschäfte ohne
Zwischenschaltung des Dollars als Transaktionswährung). Damit sinkt die
Abhängigkeit vom US-Dollar und der Yuan wird zu einer internationalen
Reservewährung. Gute Voraussetzungen also, dass China trotz landesinterner
Schuldenproblematik die Lokomotive der Weltkonjunktur bleibt.
Doch nicht nur
Chinesen sind als Kapitalgeber gesucht, auch Investoren aus dem Nahen Osten
schätzen deutsche Unternehmen als Beteiligungsobjekte. Jüngstes Beispiel ist
der Einstieg der Fluggesellschaft Etihad (Abu Dhabi) bei der strauchelnden Air
Berlin.
Staatsfonds aus
dieser Region (Kuwait, Katar) sind ja bereits wesentlich an deutschen
Großunternehmen (Daimler, VW, Hochtief) beteiligt. Auch ein kriselndes
Unternehmen aus dem SDAX zieht neue Investoren an. Bei der Baumarktkette
Praktiker tauchte zuletzt neben Finanzinvestoren aus Zypern und Dänemark wieder
einmal der Staat Norwegen als Großaktionär auf. Das Land aus dem Norden Europas
hat seine sprudelnden Öleinnahmen bereits in einige MDAX-Unternehmen
investiert. An Kabel Deutschland, Klöckner & Co. sowie Leoni ist der
norwegische Staatsfonds mit Aktienpaketen von knapp sechs bis gut drei Prozent
beteiligt.
Privatanleger
haben also immer weniger Möglichkeiten, interessante Aktien zu finden. Unsere
Kernthese „Aktien werden knapp“ (siehe auch Geldbrief 15/2010) ist also
aktueller denn je. Die Quintessenz für Privatanleger: machen sie es den Profis
nach und kaufen sie jetzt und weiterhin Qualitätsaktien - am besten alle zehn
ausgesuchten Titel des Geldbrief-Musterdepots TOP TEN.
Hans-Peter Holbach, Herausgeber Geldbrief
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